Rote und Lila Feste – ein Beitrag von Dr. Gabriele Pröll
Als ich meine erste Blutung bekam, habe ich mich sehr unsicher, schmutzig und alleine gefühlt.
Viele Jahre später wurde ich im Rahmen meines Studiums der Frauenforschung auf Zeremonien und Rituale für Mädchen und Frauen in unterschiedlichen Kulturen aufmerksam.
Da wurde mir bewusst, dass wir im Laufe unseres Lebens durch verschiedene Tore der Wandlung gehen. Das erste Tor ist die Geburt, das zweite führt in die fruchtbare Zeit, markiert durch die erste Blutung. Das dritte Tor führt uns ins Alter und wird durch die letzte Blutung angezeigt. Dann kommt das letzte Tor, das uns vom Diesseits ins Jenseits führt: Wir sterben, und wahrscheinlich kommt es auch wieder zu einer Neugeburt im Kreis des Lebens.
Durch diese Tore zu gehen, bedeutet Veränderung, körperlich und seelisch. Es ist eine sehr sensible, oft krisenhafte Zeit, die leichter und beschwerdefreier zu durchleben ist, wenn es eine gute Begleitung, Halt und Orientierung gibt. Zum ersten und letzten Tor gibt es auch in unserer Kultur Rituale und Zeremonien, zum zweiten und dritten Tor fehlen sie leider.
So entstand mein großes Bedürfnis, Mädchen an die Hand zu nehmen und sie durch die Zeit der ersten Blutung zu begleiten. Ich begann, in Schulen und Jugendeinrichtungen Projektstunden zu Zyklusbewusstsein und Menstruation durchzuführen, und daraus entwickelte sich die Übergangszeremonie „Mein rotes Fest“. Diese habe ich über viele Jahre an unterschiedlichen Orten durchgeführt und dabei ganz viel Erfahrung gesammelt.
All dieses Wissen habe ich in mein Buch „Mein rotes Fest – Die Regeln für die Regel machen wir uns selbst.“ verpackt.
Zum Inhalt: Der erste Teil ist eine sehr inhaltsreiche und witzige Geschichte: Elli verbringt ihre Ferien bei ihren naturverbundenen Großeltern am Land. Dort erlebt sie ihre erste Blutung, begleitet von vielen Fragen, Ängsten und Stimmungsschwankungen. Aber Oma hat Antworten: Sie weiß um die außergewöhnliche Kraft des weiblichen Zyklus und deren praktische Anwendung. Und sie weiß, wie Frau Vulvina-Kekse bäckt, Rote Feste feiert und Meisterin ihrer Blutung wird. Es geht darum, ihre inneren Kräfte lenken zu lernen und ein Zyklusbewusstsein aufzubauen.
Im zweiten Teil des Buches gibt es ganz viele Tipps, Anregungen und Rezepte, wie wir die erste Blutung würdigen und zelebrieren können. Es muss nicht immer ein rotes Fest sein,; es gibt Mädchen, die das gar nicht wollen. Oft genügen Kleinigkeiten, wie zum Beispiel Eis essen oder ins Kino gehen, ein rotes Kleid, Schuhe oder ein Schmuckstück kaufen und mit der Familie gut zu essen. Mädchen haben weniger Beschwerden und einen freieren Umgang mit ihrem Körper, wenn sie die erste Blutung mit einem positiven Erlebnis verbinden können.
Lila Feste
Seit einigen Jahren biete ich auch Übergangszeremonien zu den Wechseljahren, sogenannte „Lila Feste“, an: Die Wechseljahre dauern, wie auch die Pubertät, zwischen 10 und 15 Jahre und werden auch als „zweite Pubertät“ bezeichnet. In der Pubertät entwickeln sich die weiblichen Organe und das Hormonsystem; in den Wechseljahren bilden sich die Hormone zurück, und es kommt alles zur Ruhe.
Hier kommt für mich spätestens die Therapeutische Frauen-Massage (TFM) als ganzheitliche und wunderbar sanfte Begegnung der Frau mit und in ihrem Frau-Sein ins Spiel.
Sie basiert darauf, die Life Force, die unsere Lebendigkeit im Körper widerspiegelt, (wieder) in Fluss zu bringen. Hierfür werden in sanften und gleichförmigen Streichungen Drainagekanäle im Körper geöffnet und Blockaden durch angenehme Kreiselbewegungen gelöst. Das für die Anwendung der TFM verwendete Olivenöl ist gleichzeitig nährend für den Körper.
Meine Erfahrung damit ist, dass sich mit TFM das Hormonsystem wunderbar harmonisieren lässt, Menstruationsbeschwerden zurückgehen, die Fruchtbarkeit steigt und das ganze System sich beruhigt. TFM gibt sanfte Impulse, die die Frau bei sich selbst ankommen lässt.
Für mich als Selbstheilungsberaterin ist die TFM ein wunderbares zusätzliches Tool, das ist seit meiner TFM-Ausbildung 2017 den Frauen zugutekommen lasse.
Das nächste Tor
Zurück zu den Wechseljahren. Es ist eine Zeit, die Frauen herausfordert, im Außen loszulassen, um sich im Inneren selbst wiederzufinden, zu sich nach Hause zu kommen. Frauen haben viel geleistet, die Kinder sind erwachsen, es gibt nichts mehr zu schaffen, zu beweisen, und es entsteht eine neue Freiheit. Mit der letzten Blutung hört das Auf und Ab der Zyklusphasen auf, die Wellen werden zu einem ruhigen, konzentrierten Fluss. Die Energie, die für den Zyklus gebraucht wurde, wird jetzt dem gesamten System zugeführt. Die körperliche Mutterschaft wird zu einer geistigen und die innere Weisheit steigt.
In den Medien werden in unserer Kultur die Wechseljahre ganz eng mit Beschwerden verknüpft, als wäre das natürlich. Dabei hat ein Drittel der Frauen gar keine, ein Drittel mäßige und ein Drittel starke Beschwerden. Bei meinen lila Festen geht es selbstverständlich auch um einen heilsamen Umgang mit Beschwerden, aber der Fokus liegt darauf, die Wechseljahre und das Alter neu zu definieren, die Schätze der Vergangenheit zu heben und eine lebensfreudige Vision zu entwickeln. Jede Frau wird in ihrer Ausrichtung gestärkt, gewürdigt und gefeiert.
Das Schöne an den roten und lila Festen ist für mich, dass die Mädchen und Frauen sich selber ein Stück näherkommen, sich mehr lieben lernen, Werkzeug und Vision mitnehmen und vor allem in ihrer Schönheit aufblühen. Es geht mir darum, Mädchen und Frauen in patriarchalen Zeiten ihren Frauenraum, ihre Kraft und ihre Würde wieder zurückzugeben.
Dr. Gabriele Pröll
Lebens- und Selbstheilungs-Beraterin, TFM-Therapeutin seit 2017
Ich bin Frauenforscherin, Autorin, Seminarleiterin und Beraterin. Ich lebe im Burgenland auf einer Lichtung im Wald und biete dort Heilurlaub für Frauen an, die in einer geborgenen Jurte wohnen können. In und mit der Natur zu arbeiten, ist mir sehr wichtig. Deshalb biete ich auch „Goaching®“-Beratung im Gehen und in der Natur an und arbeite mit Wildkräutern.
Praxisort: Lebenbrunn, Wien und Online. www.gabrieleproell.at




