Wenn Du schon mal eine TFM-Fortbildung mit und bei Claudia A. Pfeiffer erlebt hast, dann kommt dir das, was Du nun liest, möglicherweise bekannt vor.
Mögliche Gedanken beim Herstellen des Mürbeteigs
Wenn eine Bäckerin Mürbeteig herstellt, erlebt sie ihn weniger mit dem Kopf als mit den Händen.
Zuerst wäre da Kühle. Die Butter fühlt sich, obwohl sie ja schon längere Zeit jenseits des Kühlschranks lagert, kühl an. Das Mehl trocken und durch den Zucker fast krümelig. Beim Einarbeiten der einzelnen Zutaten gleitet die Butter immer fein werdend zwischen den Fingern. Der Teig zerfällt in kleine Brösel, die sich sandig, weich, und fast ein wenig widerspenstig anfühlen.
Die Hände spüren sofort, ob die Butter die richtige Konsistenz hat: zu hart, zu schmierig oder genau richtig, um sich still mit dem Mehl zu verbinden.
Wenn sich die Zutaten langsam miteinander zu einem Teig formen, kannst du diesen besonderen buttrigen, leicht vanilligen Duft wahrnehmen; gleichzeitig entsteht ein inneres Gefühl von Ruhe und Konzentration: Die Bewegungen werden kleiner, präziser, fast meditativ. Die Hände arbeiten wissend, dass Zurückhaltung hier Qualität schafft.
Mit jedem sanften Druck verändert sich das Gefühl für den Teig. Fast urplötzlich beginnen die Krümel zusammenzuhalten ohne zu kleben. Wo vorher noch Mehlspuren am Rand der Schüssel waren, scheint sie nun sauber.
Der Teig gibt nun nach, bleibt aber formstabil.
Für die Bäckerin ist dieser homogene, formstabile Zustand ein klares taktiles Zeichen: Jetzt reicht es.
Mehr Kneten würde die Struktur verändern.
Meine Oma hat es mir so beigebracht: Der Teig soll sich glatt und ruhig anfühlen, nicht elastisch oder gar warm.
Am Ende fühlt sich der perfekte Mürbeteig also homogen, kühl und geschlossen an. Er liegt ruhig in den Händen, ohne Widerstand, ohne Spannung. Für die Bäckerin ist dieses Gefühl vertraut und eindeutig: ein leises, körperliches Wissen, dass der Teig genau so ist, wie er sein soll.
Das Bild des Knetteiges als Visualisierung für die TFM
*Mürbeteig* war das Erste, was ich damals, als Gowri uns die Beckenbehandlung anleitete, bei den sanften Streichungen des Beckens assoziierte: Schritt #1 öffnet den Beckenring, wobei wir nach dem II. Prinzip agieren. Schritt #2 in kreisenden bzw. ellipsenartigen Bewegungen nach dem III. Prinzip Kongestionen aus dem Gewebe.
Visualisierungen sind beim Anwenden der Therapeutischen Frauen-Massage übrigens optional.
Erstes Berühren und Zweifel
Wie beim Mürbeteig beginnt auch die Grundbehandlung des Beckens mit einem Moment innerer Unsicherheit.
Die Hände liegen an und spüren die Kühle. Das Gewebe wirkt beim Überstreichen uneinheitlich, irgendwie schwer greifbar – wie Mehl und Butter, die sich partout (noch) nicht verbinden wollen.
In diesem Moment tauchen oft stille Zweifel auf: “Reicht das? Passiert hier überhaupt etwas? Kann ich – sofern etwas geschehen würde – diese Änderung im Gewebe auch wahrnehmen?”
Genau wie die Bäckerin kurz innehält und einen kurzen Zweifel daran hegt, dass aus diesen in Mehl gewälzten Butterflöckchen und den trockenen Krümel jemals ein Teig werden, kennt wohl jede TFM-Therapeutin diesen Augenblick. Die Hände bleiben dennoch ruhig. Sie greifen nicht ein, sie korrigieren nicht. Der Zweifel wird wahrgenommen – und bewusst nicht zum Handlungsimpuls gemacht.
Hier zeigt sich Professionalität: nicht vorschnell zu „kneten“, nicht zu forcieren, sondern dem Prozess zu vertrauen: ein Becken darf in seinen Strukturen unhomogen sein; es darf uns uneins erscheinen.
Vertrauen haben
Und so schnell wie der erste stille Zweifel gedacht ist, geschieht – fast unmerklich – Veränderung.
Wie beim sanften Vermengen der Zutaten gibt es einen Übergang, der sich erst im Nachhinein klar zeigt. Noch ist nicht alles stimmig, noch fühlt es sich nicht eindeutig „fertig“ an.
Und wieder meldet sich der Zweifel: “Ist das schon genug? Oder braucht es mehr?“
Auch hier ist die Parallele zur Küche deutlich: Die Bäckerin weiß, dass genau jetzt Geduld gefragt ist: ein Zuviel an Bewegung würde den Teig ruinieren. Also bleibt sie im Kontakt, lässt die Hände gleichmäßig arbeiten, vertraut dem Wissen in ihren Fingern.
In der TFM antwortet das Becken ähnlich leise. Das Gewebe wird minimal durchwärmter, es wird weicher – gerade genug, um zu zeigen: Ich bin auf dem richtigen Weg. Der Zweifel löst sich nicht abrupt auf, sondern wandelt sich langsam in Zuversicht. Die TFM-Therapeutin spürt: Es fügt sich, auch wenn es noch nicht perfekt erscheint.
Die Essenz der Küchenmagie: Achtsamkeit
Die Magie entsteht nicht, weil man sicher ist, sondern weil wir – trotz Unsicherheit – im richtigen Maß präsent bleiben und den Mut haben, zum “richtigen” Moment aufzuhören. Am Ende fühlen sich sowohl Mürbeteig als auch das Becken der Patientin gesammelt, ruhig und stimmig an. Und rückblickend wird klar: Gerade das Aushalten des Zweifels ist der Schlüssel zur Homogenität.
Oma Mias gelingsicheres Mürbeteig-Rezept
Du hast sicher schon gehofft, dass wir mit allen Sinnen erfahren.
Hier also die Zutaten:
- 300g Mehl
- 2 TL (Teelöffelchen) Backpulver
- 125g Butter
- 100g Zucker
- 1 Päckchen Vanillezucker
- 1 Ei
- 2 EL (Esslöffel) Milch
Alles Vermengen, dabei kurz zweifeln und den homogenen Teig zu einer Kugel formen, die im Kühlschrank für 30 Minuten ruhen darf. Anschließend 15-20 Minuten in der Küche so lange mit Geduld betrachten, bis sich der Teig ohne Mühe (und ohne zu kleben) weiter verabeiten lässt.

